Craft Beer Definition

Wann ist Bier eigentlich Craft Beer?Eine Definition von Bloggerin Nina Anika Klotz

Seit es Craft Beer in Deutschland gibt, kann man eigentlich keine drei IPAs trinken gehen, ohne früher oder später in eine heftige Diskussion um die Frage, was Craft Beer eigentlich meint, zu geraten. Kann man das in Deutschland schon definieren? Nina Anika Klotz von Hopfenhelden gibt einen Einblick in ihr Verständnis von Craft Beer.

Die Craft Beer Revolution hat gewonnen, wenn der Begriff Craft Beer nicht mehr nötig ist. Wenn wir einfach von „Bier“ sprechen und gutes, vielfältiges Bier damit meinen. Bis dahin freilich ist es noch ein gutes Stück, besonders in Deutschland, wo wir doch erst recht spät auf den bereits rasant rollenden Craft-Beer-Zug aufgesprungen sind. Solange werden wir also immer und immer wieder darüber diskutieren, was Craft Beer eigentlich genau bedeutet. Packen wir es also an.

Die Craft Beer Revolution in den USA

Es macht Sinn, bei der Suche nach einer Begriffserklärung an den Ursprung der Bewegung zurückzukehren: USA irgendwann in den 1950er Jahren. Die Industrialisierung ist im Lebensmittelbereich voll angekommen, technische Entwicklungen und eine boomende Wirtschaft machen es sowohl möglich als auch nötig, von allem möglichst viel und möglichst billig zu produzieren – auch Bier. In dieser Zeit übernehmen drei Braukonzerne, Miller, Anheuser-Busch und Coors, den gesamten US-amerikanischen Biermarkt. Sie haben es leicht, die Bierwelt Amerikas war bis vor der Prohibition noch bunt und weit: Die deutschen Aussiedler brauten hier die nach ihrer Tradition Helles und Märzen, die Iren dort Dry Stouts, die Nachfahren britischer Siedler diverse Alesorten und man fand auch italienische, belgische und tschechische Brauereien. Doch bleibt von denen allen nach den trockenen Tagen nichts, denn die kleinen Betriebe haben nicht überlebt.

Getrieben von dem sie verbindenden Profitstreben brauen die Großen bald alle so ziemlich das gleiche Bier: ein kostengünstig produziertes und ungemein massentaugliches (also geschmacklich wenig auffälliges, man könnte fast sagen langweiliges) „crisp lager“.

Wer etwas anderes trinken will, der muss es sich selber brauen. So entsteht in den USA eine frühe und fröhliche Homebrewing-Szene. Zunächst bleiben die Homebrewer auch was den Konsum angeht auf ihre eigenen vier Wände beschränkt: Es ist ihnen nicht erlaubt, kommerziell zu brauen, sprich Heimgebrautes auch zu verkaufen. Das ändert sich allerdings, als Jimmy Carter Präsident der Vereinigten Staaten wird, ein Mann mit einem Herz für Bier (und einem Bruder, der in der Braubranche tätig ist…). Er legt fest, dass Amerikas Hobbybrauer ihre Biere künftig auch verkaufen dürfen. So werden aus den Homebrewers die ersten Craft Brewers.

Eine erste kleinere Craft-Beer-Welle rollt in den 1980ern durch die USA, sie ebbt noch einmal ab, ehe sie Anfang des neuen Jahrtausends noch einmal Schwung holt und im Zuge einer allgemeinen Neubesinnung in Sachen Essen und Trinken auf fruchtbaren Boden trifft. Wer auf dem Farmers‘ Market einkauft oder Whole Foods Stammkunde ist, dem schmeckt natürlich früher oder später nicht mehr, dass sein Bier Erzeugnis eines gesichtslosen und auf Profit getrimmten Konzerns ist.

Craft Beer erreicht Deutschland

Im Grunde ist es diese Besser-Esser-Bewegung, die Craft Beer schließlich um 2012 auch in Deutschland ankommen lässt. Wir erleben es bei Schokolade und Kaffee gleichermaßen: Alltagsprodukte werden neu hinterfragt, der Konsument will wissen, woher kommt, was er isst und trinkt, sucht nach Alternativen zum Supermarkteinheitsmatsch. Und lässt sich diese sogar auch etwas mehr kosten.

Der Gründer der Brooklyn Brewery erklärt bei einem seiner ersten Auftritte in Craft-Deutschland, warum er meint, dass ausgerechnet ein Bierland wie Deutschland in Sachen Craft Beer so spät dran ist: „Deutsches Bier war einfach immer zu OK.“ Die Qualität deutscher Biere ist dank hoher Ausbildungsstandards in der Branche und auch Dank des Reinheitsgebotes recht hoch, das dringende Bedürfnis der US-Heimbrauer, etwas besseres brauen zu wollen als das käuflich verfügbare Bier, gab es hier nie.

Was es allerdings schon gibt, ist Platz für andere, unbekanntere Biersorten. Denn was die Vielfalt angeht, finden wir hier zwar einen Haufen Namen und Brauereien, die Bierstile beschränken sich bis dato im Grunde aber noch auf Helles und Pils, Weizen und Alkoholfrei.

Definition in Deutschland: Kreatives Bier?

Hier könnte man nun auch mit einer Definition des Craft-Begriffs ansetzen. Man könnte sagen, Craft Beer ist kreativer, ist eben nicht das deutsche Standardbier. Dabei darf man aber nicht der Annahme verfallen, ein Lager (Kehrwieder Prototyp, Mashsee Trainingslager), Helles (Kurpfalz Bräu Helles) oder ein Pils (Welde No.1) könnte kein Craft Beer sein.

Noch gibt es keine allgemeingültige Definition für Craft Beer im deutschen Sprachraum. Fest steht nur, dass die amerikanische Definition, festgelegt von der Brewers Association, dem Verband der amerikanischen Craft-Beer-Brauer, nicht übertragen werden kann. Die geht nämlich nach Ausstoßgröße – und bemisst die Grenze so hoch, dass die allermeisten deutschen Brauereien darunter fielen. Sie sagt auch, Craft-Brauer müssten in erster Linie Bier im klassischen Sinne machen, aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe – wegen des Reinheitsgebotes  trifft das auf alle deutschen Brauereien zu. Und eine US-Craft Brewery muss zu Dreiviertel unabhängig von großen Konzernen sein. Trifft auch auf die meisten Deutschen zu.

Tatsächlich bleibt der Begriff Craft Beer in Deutschland also schwammig – und vielleicht ist das ja auch ganz gut so. Denn schwammig bedeutet auch durchlässig, offen, flexibel. Craft ist kein Dogma. Ohne Zweifel hat die Craft-Bewegung etwas in der deutschen Bierwelt ins Rutschen gebracht. Sie lässt auch traditionelle Brauer neu und eben kreativ über ihr Bier nachdenken. Und wenn diese dann ein kreatives, anderes Bier brauen – wer wollte es ihnen absprechen, es als Craft Beer zu verkaufen?

Wir bei Hopfenhelden haben uns eine Fünf-Punkte-Definition zurechtgelegt, nach der wir Hopfenhelden im Craft-Sinne entdecken:

  • Hinter Craft Beer stehen echte Menschen, die Marke und Produkt repräsentieren.
  • Craft Brauereien gehören nicht zu großen Konzernen.
  • Craft Beer ist kreativ, es werden auch besondere, neue Bierstile ausprobiert.
  • Craft Beer verwendet natürlich Zutaten.
  • Craft Beer muss, wie jedes andere Bier auch, geschmacklich überzeugen.

Sie ist eine nützliche Hilfe bei der Diskussion um die Frage „Was ist Craft Beer?“.

Mehr kannst Du auf hopfenhelden.de lesen.

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