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Craft Beer: Warum mehr bezahlen?Ein Brauer erklärt

Pils, Weizen, Export, Helles, Craft Beer - die Biervielfalt ist richtig groß geworden. Mit ihr verändern sich auch die Preise. Warum eigentlich?

Auf Messen sieht man diese Situation zu Hauf: ein Kunde wollte einfach nur ein Bier trinken. „Ein Bier bitte“, rief er dem coolen Bärtigen hinterm Tresen zu. Der Typ zeigte lächelnd auf die große Tafel, auf der X Biersorten und Preise mit Kreide notiert waren. Biere mit internationalen Namen, exotischen Hopfensorten und verschiedenen Malzkompositionen – aber alle zu unterschiedlichen Preisen, obwohl immer die gleiche Menge angegeben war. 

Verwirrung vorm Regal

Was in der Gastronomie immer mehr Einzug hält und in Craft Beer Bars und Taprooms Standard ist, findet auch im Getränkehandel und Supermarkt Platz. Die Biervielfalt wächst. Was ein Segen ist, damit wir uns richtig verstehen! Allein in Deutschland entstanden in den letzten Jahren rund 300 neue Mikro-Brauereien, mit ihnen kommen ständig neue bierige Köstlichkeiten auf die Theke - und auch ins Flaschenregal. Die große Chance für Mikro- und kleine Mittelstandsbrauereien!

Masse statt Klasse?

Aber warum kostet eigentlich ein normales Pils viel weniger als ein holzfassgereiftes Bockbier und ein IPA mehr als ein klassisches Helles? Vorab: Bier verkam in den letzten Jahrzehnten zur Billigware: großer Branchenfehler. Denn wie in vielen anderen Bereichen ging es oft genug viel mehr um Masse als um Klasse. Das ändert sich seit Jahren vor allem deshalb, weil besondere Biere auch besondere Zutaten, Rohstoffe, Verarbeitungsweisen und Verpackungen erfordern – da ist echtes Handwerk gefragt.

Für eine gute Suppe…

…braucht man gute Knochen, wissen Köche. Nicht anders ist es beim Bier. Die richtig guten, aromareichen Hopfen – ob sie aus der Hallertau, USA oder Südafrika kommen – sind teuer. Um die ätherischen Öle der hoch rankenden Pflanze möglichst gut ins Bier zu bringen, wird oft auf Kalthopfung zurückgegriffen. Denn die Öle sind flüchtig und verschwinden zum größten Teil schlichtweg ruckzuck, wenn sie der heißen Würze zugegeben werden. Also kommt der Hopfen zusätzlich in größerer Menge für bis zu 2 Wochen (je nach Technik) ins Bier, wenn es bereits im kühlen Lagertank liegt. Bei unserer Welde Badisch Gose bringen wir den verwendeten Citra-Hopfen für knapp 72 Stunden in Kontakt mit dem Bier. Bei diesem Prozess können sich die unfassbar vielen fruchtigen, kräuterigen oder zitrusartigen Aromen aus den Hopfendolden richtig entfalten und werden langsam ins Bier abgegeben. Danach braucht das Bier noch weitere Lagerzeit. Bei vielen Bierstilen mehr als vier Wochen – und Kühlung kostet!

Ähnlich verhält es sich mit speziellen Malzen, Hefen und Gewürzen, die ebenfalls die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen und Aromen ins Bier bringen können. Jedenfalls dann, wenn die Brauer wissen, wie das geht. Und das sind vor allem in der Craft Beer Szene eine ganze Menge. Dazu kommt die Tatsache, dass die Bierspezialitäten viel Handarbeit erfordern. Klar, die moderne Technik wird ebenfalls genutzt, aber gerade die Craft Biere erfordern neben viel Wissen, Können, Mut und Experimentierfreude auch zusätzliche Arbeitsschritte, die Großbrauereien aufgrund von angestrebten Skalierungseffekten und Kostendruck umgehen. Einfach zusammengefasst: Qualität + Zeit = Geld.

Die Krönung der Braukunst

Holzfassgereifte Biere sind eine Krönung der Braukunst. Genutzt werden in erster Linie bereits durch Whisky-, Rum- oder Tequila-Herstellern vorbelegte, große Holzfässer. Ein ziemlich teurer Spaß. Aber: Die Spirituosen geben ebenso wie das Holz spannende Aromen ins Bier ab, genauso, wie man es vom Wein kennt. Ein biergewordener Traum für viele Fans! Um darüber hinaus, wie zum Beispiel bei unserem Welde Bourbon Barrel Bock, ein möglichst gleichbleibendes Genusserlebnis hinzukriegen, ist ein Cuvée das Mittel der Wahl. Dazu werden immer wieder Proben aus den einzelnen Fässern genommen und entschieden, welche dieser Fässer zum besten Ergebnis vereint werden. Das führt zum Teil zu Ausschuss – der will eingerechnet sein. Nichts desto trotz, ein Hoch auf die Nasen und Geschmacksknospen der Brauerinnen und Brauer!

Schleifchen drum und die schnöden „Nebenkosten“

Last but not least: Besondere Biere sollen nicht einfach nur in einer 0815-Flasche landen, sondern auch eine meist kostspieligere und schönere Verpackung bekommen, gern mit einem „Schleifchen“ wie einem schönen Etikett aus teurem Naturpapier drum herum.

Zusätzlich beeinflussen dann doch die Masse an wenig in Erscheinung tretende Kosten den Preis: Wasser- und Energiekosten, Handel und Transport (bei Craft Beer wird viel über Einzelflaschen verkauft und nicht über Kistenware), Kosten für die Verpackung wie Kästen, Kartons, Flaschen, Biersteuer, Mehrwertsteuer, Personalkosten, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Inflation - all das muss in die Kostenrechnung und in den Produktpreis einfließen, wenn der Laden laufen soll. Am Ende ist es beim Bier wie überall: Du bekommst kein Kleid von Dior für Einsfünfzig und keinen Rolls Royce für Neunundneunzig Cent.

Übrigens: seid glücklich, dass Ihr Euer Bier in Europa laut Eurostat für durchschnittlich 3,50 Euro pro halben Liter trinkt. In USA, Australien und Kanada müsst Ihr dafür rund 7-8 Euro auf die Theke blättern, in Hongkong oder Singapore seid Ihr mit über 9 Euro dabei.

Die Biere der Welde Braumanufaktur

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